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Neuerscheinungen Joseph Haydn Werke
Neuerscheinungen Haydn-Studien
Der Band enthĂ€lt in chronologischer Anordnung Vokalwerke aus Haydns spĂ€ten Jahren, geschrieben wĂ€hrend der Aufenthalte in London oder in den Jahren danach. Das frĂŒheste Werk ist der Coro âSu cantiamo, su beviamoâ, Haydns Bearbeitung des Schlusschors aus seiner Oper Orlando Paladino fĂŒr einen unbekannten Anlass. Eine Originalkomposition ist dagegen âThe Stormâ (Hob. XXIVa:8; âHark, the wild uproar of the winds!â), womit Haydn in London 1792 einen groĂen Erfolg feiern konnte. Dieser mag der Grund dafĂŒr sein, dass er bei seiner RĂŒckkehr nach Wien eine Fassung mit deutschem Text, erweiterter Instrumentation und geĂ€ndertem Schluss erstellte. Im vorliegenden Band werden erstmals âDer Sturmâ (âHört! die Winde furchtbar heulen!â) und die englische Erstfassung separat voneinander ediert; in Ă€lteren Editionen wurden die beiden Fassungen miteinander vermischt. Mit âInvocation of Neptuneâ (Hob. XXIVa:9) vertonte Haydn einen Ausschnitt aus einem lĂ€ngeren, England als Seemacht feiernden Text. Es bleibt unklar, ob er sein Werk als abgeschlossen ansah oder die Arbeit daran vor Vertonung der weiteren Textteile abbrach. Die beiden Schauspielmusiken in dem Band entstanden fĂŒr TheaterauffĂŒhrungen in Eisenstadt. Zum einen ist dies die Musik zu dem Trauerspiel âAlfred, König der Angelsachsen, oder der patriotische Königâ (Hob. XXX:5). Sie besteht aus einem Chor der DĂ€nen (âTriumph dir, Haldane!â), einer Arie des Schutzgeistes (âAusgesandt vom Strahlenthroneâ) und dem Duett AlfredâOdun (âDer Morgen graut, es ruft der Hahnâ). Die zweite Schauspielmusik in dem Band ist insofern singulĂ€r, als Haydn hier zum einzigen Mal einen französischen Text vertonte (Hob. XXX:4; âFatal amour, cruel vainqueur!â). Dieser Text entstammt, wie bei der Arbeit an dem Band ermittelt werden konnte, einem Proverbe dramatique von Louis de Carmontelle mit dem Titel Le Prince Wourtsberg. Abgeschlossen wird Band XXVII/3 mit der Orchesterfassung der Kaiserhymne âGott erhalte Franz den Kaiserâ (Hob. XXVIa:43) von 1797. Die Quellenlage fĂŒr diesen Band ist auĂergewöhnlich gut: Zu allen StĂŒcken sind (was bei Haydn nicht oft vorkommt) Autographe oder Teilautographe ĂŒberliefert. Sie bilden die Grundlage der Edition; als Nebenquellen wurden bei einigen Werken authentische Abschriften hinzugezogen.
Die 36 Seiten mit Skizzen zur Schöpfung nehmen in der Haydn-Ăberlieferung eine Sonderstellung ein: Sie bilden den mit Abstand umfangreichsten derartigen Bestand. Das heute in der Ăsterreichischen Nationalbibliothek Wien, der British Library London und der Public Library New York aufbewahrte Material enthĂ€lt Notate ganz unterschiedlichen AusmaĂes zu immerhin 11 der 14 Einzelnummern des Oratoriums. Dem besonderen Rang dieses Bestandes entsprechend geht die Gesamtausgabe bei der Edition einen neuen Weg: Erstmals werden alle Seiten in farbigen Faksimiles wiedergegeben, auĂerdem sind Abbildungen, Ăbertragungen und Apparat in getrennten Heften zusammengefasst, was es ermöglicht, sie parallel zu benutzen. Jede der Ăbertragungen wird ausfĂŒhrlich kommentiert.
Der Band enthĂ€lt jene fĂŒnf Sinfonien, die Haydn zwischen den sechs âPariserâ und den zwölf âLondoner Sinfonienâ komponierte. Die beiden ersten davon (Hob. I:88 und 89) ĂŒberlieĂ er dem frĂŒheren EsterhĂĄzyschen Hofmusiker Johann Tost, der sie durch Abschriften und Verkauf an Verleger vermarktete. Mit den drei anderen (Hob. I:90â92) bediente Haydn zwei Auftraggeber auf einmal: die Loge Olympique, jene freimaurerische Konzertgesellschaft, die zuvor bereits die sechs âPariser Sinfonienâ in Auftrag gegeben hatte, und den FĂŒrsten von Oettingen-Wallerstein, der zunĂ€chst nicht ahnte, dass er die neuen Werke nicht fĂŒr sich alleine erhielt. Zu vier dieser Sinfonien sind die autographen Partituren erhalten. Sie bilden jeweils die Hauptquelle der Edition; als Nebenquellen, die spĂ€tere ErgĂ€nzungen Haydns dokumentieren könnten, werden auf Basis einer ausfĂŒhrlichen Quellenfiliation autornahe Abschriften herangezogen. FĂŒr Sinfonie 88, deren Autograph verschollen ist, bilden sie die Hauptquellen, und es werden FrĂŒhdrucke als Nebenquellen herangezogen. Eine Besonderheit bei Sinfonie 90 und 92 stellt die Ăberlieferung der Trompeten- und Paukenstimmen dar. In den Autographen sind sie (ebenso wie in den FrĂŒhdrucken) nicht enthalten, finden sich jedoch in den autornahen Abschriften. 2007 tauchte im Antiquariatshandel eine Niederschrift dieser Stimmen zur Sinfonie 90 von Haydns Hand auf. Damit war erstmals erwiesen, dass die Stimmen authentisch sind. Offenbar hat Haydn sie nur deswegen separat notiert, weil das von ihm verwendete Notenpapier nicht genug Systeme fĂŒr die ganze Besetzung hatte. Man kann davon ausgehen, dass sich dies bei Sinfonie 92 genauso verhĂ€lt und somit auch dort Trompeten und Pauken authentisch sind. Der Band wurde bei den Konzerten des GĂŒrzenich-Orchesters Köln am 6., 7. und 8. November 2011 prĂ€sentiert.
Der Band enthĂ€lt die Streichquartette Joseph Haydns aus den Jahren 1785 bis 1788: Das als âOpus 42â bekannte Einzelquartett in d-Moll, die sechs Quartette âOpus 50â und die sechs Quartette âOpus 54/55â. Die erste dieser Gruppen hat den Beinamen âPreuĂische Quartetteâ erhalten, weil Haydn die Wiener Erstausgabe König Friedrich Wilhelm II. widmen lieĂ â als Dank fĂŒr ein Geschenk, das er von diesem fĂŒr eine Abschrift der âPariser Sinfonienâ erhalten hatte. (Die Quartette sind also keineswegs eigens fĂŒr den preuĂischen Hof komponiert worden.) Die sechs Werke des op. 54/55 werden bisweilen als âerste Tost-Quartetteâ bezeichnet, weil Haydn sie (wie die nachfolgende Serie op. 64) dem Violinisten und Kaufmann Johann Tost zur Vermarktung ĂŒberlieĂ. FĂŒr op. 42 stellt das Autograph die einzige Quelle der Edition dar; die Ausgabe bei Hoffmeister (auf der frĂŒhere Editionen beruhen) ist, wie im Kritischen Bericht nachgewiesen wird, verlagsseitig zu stark bearbeitet, um herangezogen zu werden. Bei vier der Quartette aus op. 50 sind die Autographe Hauptquelle. (Die Handschriften tauchten â einer der spektakulĂ€rsten Haydn-Funde des 20. Jahrhunderts â in den 1980er Jahren ĂŒberraschend in Australien auf und befinden sich heute in der Sammlung Helmut Nanz in Stuttgart.) Allerdings sind die Wiener Erstausgabe und drei Stimmenabschriften (darunter die Stichvorlage fĂŒr die parallel erschienene Londoner Erstausgabe) als Nebenquellen heranzuziehen, fĂŒr op. 50 Nr. 1â2, deren Autographe verschollen bleiben, sind sie die Hauptquellen. Auch fĂŒr zwei der Quartette aus op. 54/55 (nĂ€mlich op. 54 Nr. 1 und 3) stehen Teilautographe zur VerfĂŒgung. Bislang wurden sie aufgrund der vielfach verkĂŒrzten, an besonderen Abbreviaturen reichen Notation fĂŒr bloĂe EntwĂŒrfe gehalten. Der Herausgeber konnte jedoch zeigen, dass es sich um die endgĂŒltige Niederschrift handelt. Als Nebenquellen bzw. als Hauptquellen fĂŒr die anderen Quartette dienen die Wiener, die Londoner und die Pariser Erstausgabe, bei op. 54 Nr. 1 zusĂ€tzlich eine Kopistenabschrift.
Haydn schrieb die Azione teatrale Lâisola disabitata fĂŒr den EsterhĂĄzyschen Hof. Im fĂŒrstlichen Opernhaus auf Schloss EszterhĂĄza wurde sie am 6. Dezember 1779 uraufgefĂŒhrt. Das AuffĂŒhrungsmaterial ist verschollen, ebenso wie der gröĂte Teil von Haydns Autograph (lediglich der Anfang der OuvertĂŒre ist in seiner Handschrift ĂŒberliefert). Es ist jedoch eine Reihe von Partiturabschriften erhalten, die Haydn teils selbst in Umlauf brachte. Drei davon sind fĂŒr die Ăberlieferung eines authentischen Notentextes relevant, da Haydn sie durchgesehen und korrigiert hat. Eine davon wird in Turin (Biblioteca Nazionale Universitaria), eine weitere in Washington (The Library of Congress) aufbewahrt. Die dritte befand sich in Weimar und wurde beim Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek am 2. September 2004 zerstört. GlĂŒcklicherweise hatte das Joseph Haydn-Institut davon bereits vor Jahren einen Film anfertigen lassen. Er konnte fĂŒr die Edition genutzt werden; ein Duplikat davon wurde inzwischen zur Rekonstruktion verlorener BestĂ€nde an die Bibliothek zurĂŒckgegeben. Die in Weimar ĂŒberlieferte Abschrift ist vor allem deswegen besonders wichtig, weil es sich dabei um Haydns Handexemplar fĂŒr eine Bearbeitung handelt, die er 1802 fĂŒr eine geplante (allerdings nicht zustande gekommene) Veröffentlichung durch den Leipziger Verlag Breitkopf & HĂ€rtel vornahm. DafĂŒr schrieb er auch eine neue, wesentlich kĂŒrzere Fassung des Schlussquartetts âSono contenta appienoâ; sie ist vollstĂ€ndig im Autograph erhalten (heute in Privatbesitz). Die Edition gibt den Notentext der Fassung 1802 im Haupttext, die Ă€lteren Varianten als Ossia wieder. GröĂere Umarbeitungen sind in parallelen Akkoladen, die beiden Fassungen des Quartetts nacheinander abgedruckt. Dabei wird aber jede ĂŒber die zeitliche Abfolge hinausgehende Hierarchisierung der Varianten (auch zwischen den beiden Abschriften, die ausschlieĂlich die Ă€ltere Fassung ĂŒberliefern) vermieden. Bei einer Oper ist grundsĂ€tzlich nicht von einer definitiven Werkgestalt auszugehen, sondern vielmehr von einer fortwĂ€hrenden Anpassung an AuffĂŒhrungsbedingungen und Spielbetrieb. Mit Lâisola disabitata liegen nun alle Opern Haydns in der Gesamtausgabe vor. Noch vor dem Erscheinen des Gesamtausgabenbandes im G. Henle Verlag MĂŒnchen wurden beim BĂ€renreiter Verlag Kassel auf dieser Basis ein Klavierauszug (Martin Focke, mit Vorwort von Christine Siegert) und AuffĂŒhrungsmaterial (Alkor Edition) erstellt â eigens im Hinblick auf eine AuffĂŒhrung der Oper durch Nikolaus Harnoncourt in Wien im Juni 2009. Das Material wurde aber erfreulicherweise inzwischen fĂŒr einige weitere AuffĂŒhrungen genutzt; kaum ein anderer Band der Haydn-Gesamtausgabe wurde von der Musikpraxis so rasch und unvermittelt aufgenommen.
Der Band enthĂ€lt die Sinfonien Hob. I:26, 38, 41, 48, 58, 59 und 65. Von keiner dieser Sinfonien hat sich Haydns Autograph erhalten. Sie alle sind in zahlreichen Abschriften ĂŒberliefert, die in der Regel nicht im nĂ€heren Umkreis des Komponisten entstanden sind. Ausnahmen sind die als authentische Quellen einzustufenden handschriftlichen StimmensĂ€tze der Sinfonien 38, 41 und 48 des am EsterhĂĄzyschen Hof tĂ€tigen Notenkopisten Joseph ElĂler sen. Bis auf Sinfonie 26 wurden alle Sinfonien zu Haydns Lebzeiten im Druck veröffentlicht, wobei jedoch keine dieser frĂŒhen Ausgaben von Haydn autorisiert wurde. FĂŒr die Edition der Sinfonien 38, 41 und 48 konnte die jeweilige Abschrift ElĂlers als Hauptquelle nominiert werden, bei den Sinfonien 26, 58, 59 und 65 war der Ausgangspunkt der Ăberlieferung aus Vertretern der unterschiedlichen Zweige des Stemmas zu ermitteln. Hier liegen der Edition demnach mehrere gleichberechtigte Quellen zugrunde. Das Fehlen von Autographen bringt es mit sich, dass keine dieser Sinfonien sicher datiert werden kann. Aus der Kombination dokumentarischer Belege und stilistischer Kriterien lĂ€sst sich jedoch eine einigermaĂen plausible Chronologie der Werke entwickeln. Demnach sind die sieben Werke mit groĂer Wahrscheinlichkeit zwischen 1767 und 1769 entstanden (im Jahr 1766 hat Haydn offenbar keine neue Sinfonie komponiert). Die drei C-Dur-Sinfonien 38, 41 und 48 sind jeweils in mehreren Quellen mit Stimmen fĂŒr Trompeten und Pauken ĂŒberliefert. In ihrer Originalgestalt, die durch die Abschriften von ElĂler beglaubigt ist, enthalten sie diese Stimmen jedoch nicht, so dass es sich hierbei in allen drei FĂ€llen um NachtrĂ€ge handeln muss. Die Untersuchung hat ergeben, dass diese NachtrĂ€ge im Fall der Nr. 38 und 48 nicht auf Haydn zurĂŒckgehen; die Stimmen wurden daher nicht mit ediert. Bei Sinfonie 41 lĂ€sst sich aufgrund der breiten Ăberlieferung nicht ausschlieĂen, dass Haydn selbst die Trompeten und Pauken ergĂ€nzte, weshalb die Stimmen hier im Kleinstich wiedergegeben werden.
Das Autograph des Oratoriums Die Schöpfung ging offenbar schon zu Haydns Lebzeiten verloren. Die wichtigsten Quellen sind daher Abschriften, die Haydn selbst hat anlegen lassen: Zum einen das von ihm benutzte AuffĂŒhrungsmaterial in der Wienbibliothek (bislang Stadt- und Landesbibliothek Wien), zum anderen mehrere Partituren. Die Hauptquelle der Edition ist die Stichvorlage zur von Haydn im Selbstverlag veröffentlichten Originalausgabe. Hier â und nicht etwa in der Originalausgabe selbst, die offenbar keine auf Haydn zurĂŒckgehenden Ănderungen mehr enthĂ€lt â ist die Fassung letzter Hand dokumentiert. Weiterhin wurden fĂŒr die Konstituierung des Notentextes zwei frĂŒhere Abschriften herangezogen, die der Stichvorlage teils als Vorlage gedient haben, eine Partitur fĂŒr den Generalbassspieler und Haydns Arbeits- und Dirigierpartitur. Die AuffĂŒhrungsstimmen, die einen anderen Zweig der Ăberlieferung bilden, dienen als Nebenquellen. Aus den Handschriften (sowohl Partituren als auch Stimmen) sind an mehreren Stellen frĂŒhere Fassungen zu rekonstruieren; sie werden im Kritischen Bericht dokumentiert. In den Haupttext aufgenommen wurde dagegen die Unterlegung des englischen Textes. Haydn und sein Librettist Gottfried van Swieten haben die Schöpfung von Anfang an als ein zweisprachiges Werk konzipiert und vor allem van Swieten hat die Textunterlegung sehr sorgfĂ€ltig revidiert (und dabei bisweilen in den Notentext eingegriffen). Im Kritischen Bericht wird zudem die italienische Ăbersetzung von Giuseppe Carpani abgedruckt; Haydn hat sie fĂŒr gut befunden und auch selbst verwendet. Zu keinem anderen Werk Haydns sind so viele Skizzen erhalten wie zur Schöpfung. Aufgrund dieser besonderen Situation werden die Skizzen nicht â wie sonst in der Gesamtausgabe praktiziert â im Anhang, sondern in einem eigenen Band (Joseph Haydn Werke, Reihe XXVIII, Band 3III) als Faksimile und Ăbertragung veröffentlicht, der im nĂ€chsten Jahr erscheinen soll.
Die autographe Partitur der Jahreszeiten soll sich im Besitz von Gottfried van Swieten befunden haben, dem Librettisten des Oratoriums. Sie ging noch zu Haydns Lebzeiten verloren; Hauptquelle der Edition ist daher das von Haydn selbst bei der UrauffĂŒhrung im April 1801 im Palais Schwarzenberg in Wien verwendete Material, bestehend aus Stimmen und einer vom Chordirigenten und GeneralbaĂspieler benutzten Partitur (die bei den gröĂer besetzten Nummern nicht alle Stimmen enthĂ€lt). Dieses ĂŒberwiegend von dem bei Haydn angestellten Kopisten Johann ElĂler geschriebene Material dokumentiert zahlreiche Revisionen und sukzessive Erweiterungen der Besetzung, die Haydn fĂŒr verschiedene spĂ€tere AuffĂŒhrungen vornahm. Nebenquelle ist die Originalausgabe, die 1802 bei Breitkopf & HĂ€rtel in Leipzig in zwei Auflagen erschien â eine mit deutschem und französischen, eine mit deutschem und englischen Text. Obwohl Haydn selbst die (verschollene) Stichvorlage anfertigen lieĂ, gibt der Druck keineswegs einen endgĂŒltigen Notentext letzter Hand wieder, denn er enthĂ€lt zahlreiche, gröĂtenteils redaktionelle Eingriffe, vor allem ErgĂ€nzungen und Vereinheitlichungen der Dynamik und Artikulation. Sie werden vollstĂ€ndig im Kritischen Bericht dokumentiert, in den Notentext aber nur dann ĂŒbernommen, wenn zu vermuten ist, daĂ sie auf Haydn zurĂŒckgehen. (Darin unterscheidet sich die Edition grundlegend von derjenigen, die Eusebius Mandyczewski 1922 im Rahmen der Fragment gebliebenen alten Haydn-Gesamtausgabe vorlegte.) Aus dem AuffĂŒhrungsmaterial lassen sich zahlreiche ursprĂŒngliche Lesarten rekonstruieren. Sie werden in FuĂnoten wiedergegeben, umfangreichere FrĂŒhfassungen wie die der Einleitungen zu Der Sommer, Der Herbst und Der Winter stehen im Anhang. Der Anhang enthĂ€lt ferner drei Skizzenseiten als Abbildung und Ăbertragung sowie eine zusĂ€tzliche Kontrafagott-Stimme aus dem Wiener AuffĂŒhrungsmaterial. (Sie wurde auf Basis der Originalausgabe geschrieben; ob auf Veranlassung von Haydn, ist unsicher.) Im Kritischen Bericht werden synoptisch van Swietens deutscher, französischer und englischer Text abgedruckt â der deutsche Text auf Basis des handschriftlichen Librettos (einschlieĂlich der zahlreichen Randglossen, in denen der Librettist detailliert seine Vorstellungen zur Vertonung darlegte), van Swietens Ăbersetzungen auf Basis des Erstdrucks. In den Notentext der Edition können sie nicht aufgenommen werden, da die Unterlegung in der Originalausgabe nicht auf Haydn oder van Swieten zurĂŒckgeht und zudem fehlerhaft ist.
Georg Feder hat 1966 und 1970 in der Gesamtausgabe die drei BĂ€nde mit Haydns Klaviersonaten herausgegeben, die Kritischen Berichte aber damals wegen anderer Aufgaben nicht fertiggestellt. Als er 1992 in den Ruhestand trat, erklĂ€rte er sich bereit, diese Berichte nachzuarbeiten. Leider konnte er sich dem umfangreichen Projekt aber erst vor wenigen Jahren endgĂŒltig zuwenden und daher nur den ersten der drei Berichte abschlieĂen. Im November 2006, einen Monat vor seinem Tod, reichte er das Manuskript ein. Dabei hatte er allerdings noch eine Reihe von ErgĂ€nzungen und eine abschlieĂende PrĂŒfung anhand der Quellen vorgesehen. Diese Aufgabe ĂŒbernahm Sonja Gerlach, MĂŒnchen, die im Institut jahrzehntelang mit Georg Feder zusammengearbeitet hatte. Der groĂe zeitliche Abstand zwischen Edition und Kritischem Bericht ermöglichte es dem Herausgeber, eine ganze Reihe neuerer Forschungsergebnisse vor allem bezĂŒglich der Werke fraglicher Echtheit einzuarbeiten.
Haydns KlavierstĂŒcke wurden von Sonja Gerlach bereits 1969 in einer praktischen Ausgabe ediert, die als Vorabdruck zur Gesamtausgabe konzipiert war. Auch wenn der Gesamtausgabenband auf dieser Ausgabe fuĂt, war es doch notwendig, den gesamten Notentext neu zu setzen. Zum einen haben sich viele VerĂ€nderungen ergeben, da neue Forschungen und Funde zu einer genaueren Bewertung der herangezogenen Quellen fĂŒhrten. Zum andern wurden mehrere StĂŒcke in den Band neu aufgenommen; dies betrifft insbesondere Klavierbearbeitungen verschiedener Werke Haydns, die wahrscheinlich vom Komponisten selbst stammen. Haydns einziges vierhĂ€ndiges KlavierstĂŒck war schon deshalb neu zu setzen, weil es in der praktischen Vorabausgabe (1970) nicht in Partitur angeordnet war. Der Band enthĂ€lt: Capriccio in G âAcht Sauschneider mĂŒssen seynâ Hob. XVII:1; Variationen in A Hob. XVII:2; Variationen in Es Hob. XVII:3; âDiffĂ©rentes petites piĂšces faciles et agrĂ©ablesâ (bestehend aus dem originalen KlavierstĂŒck Hob. XVII :9 und neun wohl von Haydn stammenden Bearbeitungen aus Sinfonien und Opern); Capriccio in C (Fantasie) Hob. XVII:4, Variationen in C Hob. XVII:5; Sonate in f (bekannt als âF-Moll-Variationenâ) Hob. XVII:6; Adagio in G (Urfassung des langsamen Satzes aus dem Klaviertrio Hob. XV:22) und das vierhĂ€ndige Divertimento in F âIl maestro e lo scolareâ Hob. XVIIa:1. In den Anhang sind KlavierstĂŒcke zweifelhafter Echtheit aufgenommen (eine zusĂ€tzliche Variation zu Hob. XVII:2 und die Variationen in D Hob. XVII:7), dazu drei Klavierbearbeitungen, die von Haydn selbst stammen könnten (SĂ€tze aus den Sinfonien Hob. I:93, 94 und 97). Weiterhin enthĂ€lt der Anhang zwei Seiten mit Skizzen in Faksimile und Ăbertragung. Der Kritische Bericht ist mit 78 Seiten ungewöhnlich umfangreich. Dies liegt nicht zuletzt daran, daĂ viele apokryphe Werke auf ihre mögliche Echtheit zu prĂŒfen waren. Auch von zahlreichen Bearbeitungen war zu klĂ€ren, ob sie auf Haydn selbst zurĂŒckgehen könnten. Die Zahl der durch diese Untersuchungen aus dem Werkkorpus auszuschlieĂenden StĂŒcke ĂŒbertrifft die im Band veröffentlichten um ein Vielfaches.
Der Band enthĂ€lt die 65 Bearbeitungen schottischer Volkslieder fĂŒr Singstimme(n), Klavier, Violine und Violoncello, die Haydn wohl zwischen Ende 1802 und 1804 im Auftrag des Buch- und MusikalienhĂ€ndlers William Whyte aus Edinburgh anfertigte. Whyte veröffentlichte sie 1804 und 1807 in den beiden BĂ€nden seiner Sammlung âA Collection of Scottish Airs [...] By Joseph Haydn Mus. Doct.â. Der GroĂteil der Lieder ist nur durch die Ausgaben Whytes ĂŒberliefert. Von acht Liedern hat sich Haydns Autograph erhalten, ein weiteres Lied liegt autograph in einer unvollstĂ€ndigen frĂŒhen Niederschrift vor, die im Anhang des Bandes in Ăbertragung wiedergegeben ist. Die im Falle von Haydns Bearbeitungen fĂŒr George Thomson so wichtige Ăberlieferungsschicht der Kopistenabschriften ist nicht erhalten, es ist aber davon auszugehen, dass Haydn die Lieder in dieser Form nach Edinburgh schickte. FĂŒnfzehn der im zweiten Band von Whytes Sammlung veröffentlichten Lieder wurden wahrscheinlich von Haydns SchĂŒler Sigismund Neukomm bearbeitet, der schon zahlreiche fĂŒr Thomson bestimmte Bearbeitungen von Haydn ĂŒbernommen hatte. Dies konnte durch stilkritische Untersuchungen, aber mehr noch durch die vergleichende Auswertung von Joseph ElĂlers âHaydn-Verzeichnisâ (HV) und Neukomms âVerzeichniĂ meiner Arbeitenâ ermittelt werden. Aus dem âVerzeichniĂâ geht ferner hervor, dass Neukomm weitere fĂŒnfzehn Lieder fĂŒr seinen Lehrer bearbeitete, die wohl ebenfalls fĂŒr Band 2 bestimmt waren; von ihnen fehlt jedoch jede Spur. Dass Haydn die Bearbeitungen Neukomms in das HV eintragen lieĂ, dĂŒrfte dadurch zu erklĂ€ren sein, dass er sie einer Revision unterzog, bevor er sie Whyte zuschickte. Einen groĂen Teil der Melodien, die den Bearbeitungen fĂŒr Whyte zugrundeliegen, hatte Haydn auch schon fĂŒr die Liedersammlungen William Napiers und Thomsons arrangiert. FĂŒr Whyte erfand er aber jedesmal wieder neue BegleitsĂ€tze. Eines der fĂŒr Whyte bestimmten Arrangements verkaufte er allerdings spĂ€ter, nur um eine zweite Singstimme erweitert, auch an Thomson. 25 Melodien, darunter so populĂ€re wie âAuld lang syneâ und âThe yellow hairâd laddieâ, liegen ausschlieĂlich in Haydns Bearbeitung fĂŒr Whyte vor. Im Gegensatz zu den fĂŒr Thomson geschriebenen Liedern sind diejenigen fĂŒr Whyte kaum bekannt. Die meisten von ihnen werden jetzt erstmals seit ihrer Erstveröffentlichung wieder publiziert, nur zwei Lieder waren 1984 schon einmal in einem Sammelband neben Bearbeitungen fĂŒr Napier und Thomson erschienen.
Der Band enthĂ€lt die Sinfonien Hob. I, Nr. 96 D-Dur, 95 c-Moll und 93 D-Dur. Sie waren die ersten drei Werke, die Haydn eigens fĂŒr Konzerte in London komponierte. Innerhalb des Bandes werden sie in der (erschlossenen) Reihenfolge ihrer ErstauffĂŒhrungen angeordnet, die wohl auch der Entstehungsreihenfolge entspricht. Von den Sinfonien Nr. 95 und 96 sind die autographen Partituren ĂŒberliefert; Haydn ĂŒberlieĂ sie Johann Peter Salomon, der ihn nach London verpflichtet hatte. Das Autograph von Sinfonie Nr. 93 (das Haydn wohl mit zurĂŒck nach Wien nahm) ist hingegen verschollen. Hier ist die Edition auf authentische Abschriften angewiesen: eine Kopistenpartitur aus Haydns Besitz und zwei handschriftliche StimmensĂ€tze, an denen Johann ElĂler, Haydns Hauptkopist der spĂ€ten Jahre, und der ebenfalls hĂ€ufig fĂŒr ihn tĂ€tige Peter Rampl beteiligt waren. Auch von den beiden anderen Sinfonien sind mehrere solche authentischen Stimmenabschriften ĂŒberliefert. Sie dienen der Edition als Nebenquellen, da sie NachtrĂ€ge Haydns im Stimmenmaterial der UrauffĂŒhrung oder spĂ€terer Wiener AuffĂŒhrungen tradieren könnten. Gedruckt erschienen alle drei Sinfonien ab 1795, zunĂ€chst bei AndrĂ© in Offenbach, wenig spĂ€ter auch bei Artaria in Wien. Die Untersuchung der Fehler in den Ausgaben legt den Schluss nahe, dass die Drucke AndrĂ©s jeweils auf handschriftlichen StimmensĂ€tzen beruhen, die den erhaltenen Wiener Abschriften sehr Ă€hnlich waren. Die Ausgaben von Artaria sind lediglich Nachstiche der Erstausgaben AndrĂ©s. Eine Einflussnahme Haydns auf die Drucklegung ist bei keiner der Ausgaben anzunehmen. Der Londoner Verleger Birchall verwendete um 1810 die Ausgabe von AndrĂ© (bzw. die Ăbernahme dieser Ausgabe durch Monzani & Cimador, London) als Vorlage fĂŒr einen eigenen Stimmendruck. Er konnte dafĂŒr aber offenbar auch die Autographe (fĂŒr Sinfonie 93 eine englische Kopistenpartitur) zum Vergleich heranziehen und so einige Fehler des Erstdrucks beseitigen. Birchalls Ausgabe stimmt mit einigen NachtrĂ€gen von spĂ€terer Hand in den Autographen bzw. der Kopistenpartitur ĂŒberein; sie wurde daher von anderen Editoren in jĂŒngerer Zeit sehr hoch bewertet (Landon, Newstone). Doch haben diese NachtrĂ€ge offensichtlich nichts mit Haydn zu tun, sondern erfolgten wohl im Zuge der Vorbereitung gerade von Birchalls Ausgabe. Sie werden daher fĂŒr den Notentext der Gesamtausgabe nicht berĂŒcksichtigt, aber vollstĂ€ndig im Kritischen Bericht referiert. Im Anhang des Bandes ist eine Skizze zum langsamen Satz der Sinfonie 96 als Faksimile und in diplomatisch getreuer Ăbertragung wiedergegeben.
Der Band enthĂ€lt die 96 Bearbeitungen vor allem walisischer, daneben auch schottischer und irischer Volkslieder fĂŒr eine oder
zwei Singstimmen mit Klavier, Violine und Violoncello, die Haydn 1803 und 1804 dem schottischen Volksliedenthusiasten und
Herausgeber George Thomson verkaufte. Mindestens 23 dieser Bearbeitungen stammen nicht von Haydn selbst, sondern von
seinem SchĂŒler Sigismund Neukomm (sie sind in Neukomms Autograph erhalten); bei einigen weiteren ist die Mitwirkung
Neukomms oder anderer SchĂŒler denkbar. (In jedem Fall ist aber von einem EinfluĂ Haydns auf die Bearbeitung auszugehen,
so daĂ es sich zumindest um Notentexte aus der âWerkstatt Haydnâ handelt.) Neukomms Autographe und die zu allen Liedern
des Bandes erhaltenen, von Haydn nach Edinburgh geschickten Kopistenabschriften sind untextiert, da Thomson nur die
Melodien zur Bearbeitung sandte und oft erst fĂŒr die Veröffentlichung entschied, welche Worte er einer Melodie zuordnete. Somit sind die von Thomson veröffentlichten Drucke die einzige Quelle fĂŒr die Texte.
Der Band enthĂ€lt das Divertimento Hob. IV:5 fĂŒr Horn, Violine und Violoncello, die Divertimenti Hob. IV:6â11 fĂŒr Violine oder
Flöte, Violine und Violoncello sowie die Trios Hob. IV:1â4 fĂŒr zwei Flöten und Violoncello (die sogenannten âLondoner Triosâ).
Im Anhang ist das Divertimento Hob. IV:G2 fĂŒr Flöte, Violine und Violoncello wiedergegeben, bei dem es sich wahrscheinlich
um eine in Haydns Umkreis entstandene Bearbeitung eines Satzes aus einem unbekannten Haydnschen Barytontrio handelt.
Der Band enthĂ€lt die sechs vermutlich zwischen 1768/69 und 1773 als zusammengehörige Werkgruppe komponierten Sonaten fĂŒr Violine und Viola Hob. VI:1â6, Haydns einzige Kompositionen fĂŒr zwei Streichinstrumente neben den Duetten fĂŒr zwei Barytone und den Sonaten fĂŒr Baryton und Violoncello. Die Duos mĂŒssen bereits zu Haydns Lebzeiten weit verbreitet gewesen sein, wie ihre Ăberlieferung in zahlreichen Abschriften und Drucken zeigt. Verbreitung fanden die Sonaten aber auch in der Besetzung Violine und Basso sowie in einer Bearbeitung fĂŒr zwei Violinen. Beide Fassungen, die gedruckt wesentlich frĂŒher als die Originalfassung erschienen, lassen sich jedoch nicht auf Haydn zurĂŒckfĂŒhren, wie die fĂŒr die Edition vorgenommene Untersuchung der Quellen gezeigt hat.
Der Band enthĂ€lt zwei Gruppen zu je drei Sinfonien. Die erste mit den Sinfonien Nr. 76, 77 und 78 entstand 1782; die zweite mit (in chronologischer Folge) Nr. 81, 80, 79 stellte Haydn 1784 fertig. Alle sechs stehen in verschiedenen, aber jeweils eng verwandten Tonarten: Es-Dur, B-Dur, c-Moll und F-Dur, d-Moll, G-Dur. (DaĂ in jeder Gruppe ein Werk in Moll steht, ist um so bemerkenswerter, als Haydn zuvor zehn Jahre lang keine Mollsinfonie mehr geschrieben hatte.) Solche Gruppierungen zu drei oder sechs einander ergĂ€nzenden Werken waren in Drucken ĂŒblich â und tatsĂ€chlich sind dies die ersten Sinfonien, die Haydn offenbar direkt im Hinblick auf eine Veröffentlichung gestaltete. Damit markieren sie einen Einschnitt in seinem Schaffen: Hatten zuvor seine Werke in Abschriften und zahlreichen nicht-autorisierten Drucken ihren Weg durch ganz Europa genommen, ohne daĂ der Komponist darauf EinfluĂ hatte, nahm er nun ihre Vermarktung selbst in die Hand. Gleichwohl fĂŒhrte Haydn die Werke zunĂ€chst einmal in der Residenz EszterhĂĄza auf. Das Stimmenmaterial, das er dabei benutzte, ist bei einigen dieser Sinfonien erhalten â glĂŒcklicherweise, denn bei keiner davon ist eine autographe Partitur ĂŒberliefert. Damit wird das AuffĂŒhrungsmaterial der EsterhĂĄzyschen Hofkapelle zur grundlegenden Quelle der Edition; doch sind auch in diesen FĂ€llen weitere Abschriften und die Erstdrucke hinzugezogen, wenn sie einen anderen Zweig der Ăberlieferung reprĂ€sentieren. Soweit fĂŒr die Sinfonien dieses Bandes das EsterhĂĄzysche Material nicht erhalten ist, muĂ der originale Notentext ausschlieĂlich aus solchen nicht-authentischen Quellen erschlossen werden. Im Kritischen Bericht ist daher der Darstellung der Quellenfiliation besonders viel Raum gegeben.
Die Oper Armida wurde als Band XXV/12 1965 von Wilhelm Pfannkuch (1926â1988) herausgegeben. Der Herausgeber
hinterlieĂ zu seiner Edition nur einige wenige Aufzeichnungen; der Kritische Bericht muĂte daher von Grund auf neu erarbeitet
werden. FĂŒr die Erstellung von Lesartenverzeichnis und Quellenbewertung wurde die Ausgabe vollstĂ€ndig mit der Hauptquelle
verglichen, dem vollstÀndig erhaltenen Autograph der Oper. Bei allen Abweichungen und bei problematischen Lesarten wurden
die weiteren Quellen herangezogen; dies sind in erster Linie Abschriften aus Haydns Umkreis. So konnte ermittelt werden,
welche davon der Bandherausgeber neben dem Autograph als Hauptquellen (fĂŒr einzelne Abschnitte) und welche er als
Nebenquellen herangezogen hatte. Weiterhin wird im Kritischen Bericht der neueste Forschungsstand zu dieser Oper,
insbesondere zum Libretto, dargelegt. Ferner ist eine Liste von Addenda und Corrigenda zum Gesamtausgabenband enthalten.
Dieser Band enthĂ€lt Haydns letzte Streichquartette â in dreifachem Sinn: Die letzte Werkgruppe aus sechs Einzelquartetten,
die er fertigstellte (op. 76 Nr. 1 bis 6), dann die letzten Streichquartette, die er zwar als Einzelwerke zu Ende komponierte, aber
nicht mehr zur geplanten Sechsergruppe komplettieren konnte (op. 77 Nr. 1 und 2), und schlieĂlich das ursprĂŒnglich als Teil
dieser Gruppe konzipierte Quartett op. 103, von dem er gerade noch zwei EinzelsÀtze komponierte, ehe er aus AltersschwÀche
die Arbeit einstellen muĂte. Die im Anhang des Bandes edierten Skizzen (auch zu den beiden noch fehlenden SĂ€tzen)
dokumentieren Haydns BemĂŒhen um eine Fertigstellung dieses Quartetts. (Siehe hierzu auch den Beitrag âA newly identified sketchleaf for Haydnâs Quartet in d-minor, âOpus 103â â von David Wyn Jones im Heft der Haydn-Studien.) Weiterhin enthĂ€lt der
Anhang Skizzen zu einem nicht ausgefĂŒhrten Werk (vielleicht fĂŒr op. 76 bestimmt) sowie Haydns eigenhĂ€ndige
Klavierbearbeitung des zweiten Satzes aus op. 76 Nr. 3 mit den berĂŒhmten Variationen ĂŒber die Kaiserhymne. WĂ€hrend fĂŒr op.
77 und op. 103 die Autographe erhalten sind, muĂ der originale Notentext der sechs Quartette op. 76 aus den Erstausgaben und frĂŒhen Abschriften rekonstruiert werden.
Der Band enthĂ€lt in chronologischer Reihenfolge fĂŒnf Sinfonien aus den Jahren 1778 und 1779: Hob. I:53 (âLâimperialeâ), 71, 70, 75, 63 ( âRoxolanaâ) und die OuvertĂŒre Hob. Ia:7 (zu einem unbekannten BĂŒhnenwerk) aus dem Jahr 1777. Sinfonie 53 fand zu Haydns Lebzeiten in einer ganzen Reihe von Fassungen Verbreitung, nur zwei sind authentisch. Im Gesamtausgabenband wird die endgĂŒltige Fassung veröffentlicht, im AnschluĂ daran die OuvertĂŒre Hob. Ia:7, die in der FrĂŒhfassung als Finale diente, so daĂ auch diese erste Fassung aufgefĂŒhrt werden kann. H. C. Robbins Landon veröffentlichte in seiner Ausgabe der Sinfonien Haydns auch Hob. I:63 in zwei Fassungen. Seine Rekonstruktion einer âVersione primaâ ist jedoch nicht haltbar. Die Sinfonie erscheint im vorliegenden Gesamtausgabenband deshalb nur in einer Fassung.
Zwischen 1800 und 1804 bearbeitete Haydn im Auftrag des in Edinburgh ansÀssigen Volksliedsammlers George Thomson
(1757â1851) ĂŒber zweihundert schottische und walisische Lieder fĂŒr eine oder zwei Singstimmen mit Begleitung von Violine,
Violoncello und Klavier. Der vorliegende Band enthĂ€lt die Bearbeitungen aus den Jahren 1800â1802 in chronologischer Folge.
Damit umfaĂt er insgesamt 112 schottische Lieder sowie sechs Variationsreihen ĂŒber schottische Melodien. Die meisten dieser Lieder sind seit ihrer Erstveröffentlichung nicht wieder gedruckt worden.
Diese fĂŒnfte in den Haydn-Studien veröffentlichte Folge der Haydn-Bibliographie (nach III/3â4 von 1974, V/4 von 1985, VI/3 von 1992 und VIII/2 aus dem Jahr 2001) verzeichnet 1258 Titel, darunter auch einzelne NachtrĂ€ge fĂŒr den Zeitraum 1991â2001. Wie die vorangehenden Folgen ist sie als kommentierte Bibliographie angelegt und wird durch Register und Vorwort erschlossen. â Als Anhang enthĂ€lt das Heft Mitteilungen ĂŒber die Arbeit des Instituts.
Das Heft enthĂ€lt neben zwei AufsĂ€tzen ĂŒber die jĂŒngsten Quellenfunde zu Haydns FlötenuhrstĂŒcken (Marie Cornaz: âThe Discovery of Joseph Haydnâs Original Manuscript of the Pieces Hob. XIX:1 and Hob. XIX:2â; Sonja Gerlach: âHaydns FlötenuhrstĂŒcke. Ăberlegungen und ErgĂ€nzungen auf Basis neuer Quellenfundeâ) BeitrĂ€ge zu Fragen der Haydn-Rezeption (Lars E. Laubhold [unter Mitarbeit von Eva Neumayr]: âââŠwas mein Bruder in seinen Chören mit der Ewigkeit treibtâŠâ. Quellen zur frĂŒhen Rezeption von Joseph Haydns Schöpfung in Salzburgâ; Felix Diergarten: ââAuch Homere schlafen bisweilenâ. Heinrich Christoph Kochs Polemik gegen Joseph Haydnâ) sowie zur Bariolage-Technik in Haydns Streichquartett Hob. III:49 (James MacKay: âBariolage and Formal Design: Haydnâs âThe Frog,â Opus 50, no. 6, Finaleâ). Zwei kĂŒrzere Artikel informieren ĂŒber wieder entdeckte Briefe, ein Empfehlungsschreiben fĂŒr Haydn und einen Bericht aus EszterhĂĄza (Franz Stephan Pelgen: âWiederaufgefundenes Empfehlungsschreiben des FĂŒrsten Kaunitz vom 13. Dezember 1790 fĂŒr Joseph Haydns erste Reise nach Londonâ; Stephen C. Fisher: âAn English Traveler at EszterhĂĄza in 1786â). AuĂerdem beinhaltet das Heft Nachrufe auf den im Dezember 2006 verstorbenen ehemaligen wissenschaftlichen Leiter des Joseph Haydn-Instituts Prof. Dr. Georg Feder und den im November 2009 verstorbenen Haydn-Forscher H. C. Robbins Landon von Armin Raab. Das Heft enthĂ€lt auch Mitteilungen ĂŒber die Arbeit des Instituts.
Der umfangreiche Band dokumentiert den 2005 vom Joseph Haydn-Institut gemeinsam mit dem Institut fĂŒr Musikwissenschaft der UniversitĂ€t zu Köln und in Verbindung mit dem Referat Kirchenmusik im Erzbistum Köln veranstalteten Internationalen wissenschaftlichen KongreĂ âPerspektiven und Aufgaben der Haydn-Forschungâ. Er enthĂ€lt BeitrĂ€ge von Elaine Sisman (âIn Werken denken: Die Erzeugung musikalischer Bedeutung fĂŒr Haydns vielgestaltiges Publikumâ), Tom Beghin (ââVotre trĂšs humble & trĂšs obĂ©issant Serviteurâ. MĂ€nnliche und weibliche Rhetorik in Haydns Sonate Hob. XVI:40â), LĂĄszlĂł Somfai (âTrends, Accomplishment, Deficiency in Haydn Performance Todayâ), Andreas Friesenhagen (âEine Haydn-Diskographie als Werkzeug der Rezeptionsforschungâ), Katalin SzerzĆ (âNeue Dokumente zur EsterhĂĄzy-Sammlungâ), TerĂ©zia Bardi (âNewly Found Inventories of EsterhĂĄzy Sceneriesâ), Christine Siegert (âDie Fassungen der Arie âDove mai sâĂš ritrovataâ aus Pasquale Anfossis Oper I viaggiatori feliciâ), David J. Buch ( âSupernatural Imagery in Haydnâs Theater Musicâ), Silke Schloen (âArmida postum â Eine Warnung vor nachtrĂ€glichen Kritischen Berichtenâ), Marianne Helms (âEin Schwesterwerk der âNelsonmesseâ? Zur Edition von Haydns Te Deum Hob. XXIIIc:2â), Annette Oppermann (âHaydns Schöpfung: Werkgenese und Edition. Möglichkeiten und Grenzen der Gesamtausgabe bei der Dokumentation von Entstehung und Revision eines Werkesâ), James Dack: (âHaydnâs First English Text: The Madrigal âHark, the wild uproar of the winds!â [The Storm]â), Stephen C. Fisher (âHaydnâs Orchestral Finale in D Major, Hob. Ia:4â) und Sonja Gerlach (âFĂŒnf Takte zuviel? Einige Bemerkungen zur Entstehung und Ăberlieferung von Haydns âF-Moll -Variationenâ [Hob. XVII:6]â), dazu ein Vorwort von Armin Raab. Aus aktuellem AnlaĂ wurden zwei zusĂ€tzliche BeitrĂ€ge ĂŒber neue Quellenfunde aufgenommen (Helmut Kowar: âWie aus einer âMozart-Uhrâ eine âHaydn-Uhrâ wurdeâ; Franz Gratl: âEine neue Quelle zur frĂŒhen Klaviermusik Joseph Haydns im Musikarchiv des Franziskanerklosters Bozen [SĂŒdtirol]â). Enthalten sind auĂerdem âMitteilungenâ (zur Arbeit des Instituts) und ein Register, zusammengestellt von Silke Schloen.
Das Heft enthĂ€lt VortrĂ€ge des Symposiums ĂŒber Haydns Volksliedbearbeitungen. Mit dem kulturgeschichtlicher Kontext der Bearbeitungen und ihrem Platz innerhalb von Haydns SpĂ€twerk beschĂ€ftigen sich Kirsteen McCue (Thomsonâs collections in their Scottish cultural context) und Petra Weber-Bockholdt (Komposition oder Begleitung. Ein Vergleich der Bearbeitungen schottischer Lieder von Haydn und Beethoven). Armin Raab (Die Edition von Haydns Volksliedbearbeitungen) und Andreas Friesenhagen (âfor an obscure music sellerâ â Haydns Bearbeitungen schottischer Lieder fĂŒr William Whyte) bieten Einblick in die spezifischen editorischen Probleme der Bearbeitungen. Fragen der AuthentizitĂ€t und der Chronologie werden von Marjorie Rycroft (Haydns Volksliedbearbeitungen â von Neukomm? Ăber die AuthentizitĂ€t einiger Bearbeitungen) und Warwick Edwards (New insights into the chronology of Haydnâs folksong arrangements: reading between the lines of the George Thomson correspondence) diskutiert. Aus aktuellem AnlaĂ wurde zusĂ€tzlich ein Beitrag von David Wyn Jones ĂŒber ein jĂŒngst identifiziertes Skizzenblatt zu Haydns Streichquartett âOpus 103â aufgenommen. Das Heft enthĂ€lt auĂerdem Mitteilungen ĂŒber die Arbeit des Joseph Haydn-Instituts sowie das Register zu Band VIII der Haydn-Studien.
Das Heft enthĂ€lt fĂŒnf umfangreichere AufsĂ€tze, davon drei in deutscher und zwei in englischer Sprache, dazu einen kleineren
Beitrag und Mitteilungen ĂŒber die Arbeit des Joseph Haydn-Instituts.
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