Joseph Haydn Werke

Schon um 1800, noch zu Lebzeiten Joseph Haydns, gab es “Gesamtausgaben” von Teilen seines Schaffens. So veröffentlichten Breitkopf & Härtel in Leipzig Werke mit Klavier in den zwölf Bänden der “Oeuvres complettes de Haydn”; Ignaz Pleyel gab in Paris alle Streichquartette heraus. Eine erste wissenschaftliche Gesamtausgabe wurde 1907 begonnen, kam aber 1933 nach zehn Bänden zum Erliegen. Ein zweiter Versuch, getragen von der Haydn Society (Boston und Wien), brachte es 1950/51 auf nur vier Bände.

1958 erschien dann der erste Band der vom Joseph Haydn-Institut herausgegebenen Gesamtausgabe, von der bis heute etwa zwei Drittel fertiggestellt sind. Die auf 111 Bände angelegte Ausgabe umfaßt 32 Reihen (als zwei weitere Reihen sind Supplemente und Register geplant). Innerhalb jeder Reihe werden die Werke nach Möglichkeit chronologisch angeordnet.

     Gliederung nach Reihen               Aktueller Stand der Ausgabe

Bei wohl keinem anderen bedeutenden Komponisten des 18. Jahrhunderts ist die Überlieferung so problematisch wie bei Joseph Haydn. Nur etwa ein Drittel der Werke ist im Autograph erhalten; für den überwiegenden Teil bilden Kopistenabschriften den Schwerpunkt der Überlieferung. (Zeitgenössische Drucke sind zwar in großer Zahl vorhanden, spielen für die Edition jedoch selten eine Rolle.) Viele Werke sind ausschließlich in nicht-authentischen Abschriften überliefert, Abschriften also, die nicht in Haydns unmittelbarem Umkreis entstanden. Daher gehen der Edition meist umfangreiche Untersuchungen zur Abhängigkeit der Quellen voraus. Ebenso gilt es, die Echtheit von Werken zu prüfen, denn zahlreiche Kompositionen wurden Haydn fälschlich zugeschrieben – berühmte Beispiele sind die “Kindersinfonie” und jenes Divertimento, aus dem Johannes Brahms das Thema seiner “Haydn-Variationen” nahm.